Zurück zu Birkenstock-Cramberg Good morning Amerika

Good morning Amerika

„Noch eine Cola, mein Fräulein?“, säuselte die freundliche Stimme der Stewardess.

Johanna saß in der ersten Klasse des Jumbo-Jets nach New York und ließ es sich gut gehen. Ihre Eltern wollten zwar nicht, dass sie Cola trank, aber die waren ja noch weit weg. Was verstehen Eltern schon von Kindern. Immer glauben sie, alles besser zu wissen.

„Ja bitte, aber ohne Eis“, antwortete Johanna. Sie war bester Laune. Nur noch wenige Stunden trennten sie von ihren Eltern und von Amerika.

Auch Dagobert freute sich. Übermütig hob er der Stewardess den Rock hoch, wie kleine Schuljungs das bei ihren Klassenkameradinnen zu tun pflegen. Tadelnd schaute diese daraufhin den Mann in der Reihe hinter Johanna an. Stewardessen müssen ja immer freundlich sein, sonst hätte sie ihm wahrscheinlich eine geknallt. Dagobert fand auch, dass das eine Unverschämtheit sei und bestrafte den Mann, in dem er seine Perücke auf die Erde warf. Als der Mann sich bückte, um das Haarteil aufzuheben, nutzte er die Gelegenheit, um ihm ein Furzkissen unterzuschieben. Zum Glück für die übrigen Passagiere wurde Dagobert bald müde und auch Johanna fand, dass es an der Zeit war zu schlafen. So gab es dann bis zur Landung keine weiteren Zwischenfälle, sieht man einmal von dem versalzenen Kaffee ab, den Johannas Nachbar bekam, nachdem er sich über ihr lautes Schnarchen beschwert hatte. Er konnte ja nicht ahnen, dass es eigentlich Dagobert war, der an einer verstopften Drachennase litt.

Auf dem New Yorker Flughafen herrschte der übliche Betrieb, aber eine freundliche Stewardess sorgte dafür, dass die beiden auf dem letzen Stück nicht noch einmal verloren gingen.

An der Passkontrolle warteten schon Johannas Eltern. Es wurde ein stürmischer Empfang. Johanna drückte ihre Mutter, Johanna küsste ihren Vater, die Mutter küsste die Tochter, der Vater umarmte sie alle zusammen und Dagobert küsste die Mutter. Upps aber in der allgemeinen Freude fiel das nicht weiter auf.

Nach der Begrüßungszeremonie ging es schnurstracks zu Papas Wohnung. Zuerst mit dem Hubschrauber in die Innenstadt und dann weiter mit dem Auto. Obwohl das der schnellste Weg war, dauerte es fast anderthalb Stunden. Der Straßenverkehr in New York ist eben etwas dichter als in einer Kleinstadt.

Vielleicht hätten sie es sogar in nur einer Stunde geschafft, wenn Dagobert nicht gewesen wäre. An einer Kreuzung war er einem Polizisten auf die Schulter gestiegen, weil sie so lange warten mussten, Er wollte ihm sagen, dass er sie doch endlich vorbei lassen sollte. Der Polizist war aber so kitzelig, dass er von Dagoberts Berührung anfing, mit den Armen zu zappeln. Da kamen die Autofahrer total durcheinander. Alle fuhren auf einmal los und es gab einen riesigen Stau mitten auf der Kreuzung. Und so dauerte es einige Minuten, bis ein Krankenwagen kam, um den vom Kitzeln total erschöpften Polizisten in ein Krankenhaus zu bringen.

Als sie zu guter letzt dann doch noch bei Papas Hochhaus ankamen, ging bereits die Sonne unter. Johanna staunte nicht schlecht, als sie den Wolkenkratzer sah. Einhundertzwölf Stockwerke, zum Glück gab es einen Aufzug. Johanna sah Dagobert streng an, wohl um ihm zu sagen, dass er jetzt bloß keinen Unsinn machen sollte. Dagobert lächelte sie unschuldig an, so als können er keiner Fliege etwas zu leide tun. Und in der Tat: sie schafften die Reise bis zum 99 Stock ohne Probleme.

Die Wohnung war wunderschön. Sie hatte vier Zimmer: ein großes Wohnzimmer mit Essbereich und einer offenen Küche, ein Schlafzimmer für Mama und Papa, ein Arbeitszimmer mit Computer für Papa und ein Schlaf- und Spielzimmer für Johanna und Dagobert. Sie hatte ein wunderschönes Hochbett, wie sie sich schon immer eins gewünscht hatte. Es hatte eine Balkon, Vorhänge und Fenster und eine Rutschbahn. Johanna war begeistert und selbst Mamas Bitte, doch noch etwas von ihren Erlebnissen zu erzählen, konnte sie nicht davon abhalten, sich gleich nach dem Abendessen zum Schlafen in ihr Schloss zurück zu ziehen.

Am nächsten Morgen war Sonntag und so konnten sie alle zusammen ein ausgedehntes Frühstück zu sich nehmen. Es gab Spiegeleier mit Speck, viel Obst und Donuts. Das waren Kringel aus Kräppelteig, und Papa sagte, das wäre typisch für Amerika. Nach dem Frühstück gab es dann noch typisch amerikanisches Kaugummi und Johanna war rundum zufrieden. Dagobert bekam auch einen Kaugummi, aber da er nicht so geübt im Umgang damit war, nahm ihm Johanna das Ding bald wieder ab. Dagobert bekam nämlich Spaß daran, Blasen zu machen. Erstens fiel es natürlich auf, wenn plötzlich mitten auf dem Tisch oder dem Sofa eine Kaugummiblase ohne Mund erschien. Zweitens, und das war noch gravierender, klebte Dagobert mit der Kaugummiblase am Tisch fest. Bei dem Versuch, sich zu befreien, klebten dann auch seine Füße und Hände fest, bis er sich nicht mehr bewegen konnte. Johanna lachte, bis sie Tränen in den Augen hatte. Dagobert wurde wütend, und spie Feuer, bis es im ganzen Zimmer nach verbranntem Kaugummi roch, aber befreien konnte er sich dadurch nicht. Schließlich erbarmte sich Johanna und löste Dagobert vorsichtig von der Tischplatte. Dann ging sie mit ihm ins Bad und wusch ihn mit Seife und lauwarmem Wasser, bis er wieder sauber war. Amerika war einfach super mal sehen, was die nächsten Wochen bringen würden.

BuiltWithNOF
weiter lesen
[Kinderbuch] [Inhalt] [Die bissige Sahnetorte] [Von Monstern und Drachen] [Oma ist super] [Papa ist da!] [Der große Sturm] [Reif für die Insel?] [Der Herr der Sinne] [Die Pyramide von Ephandrea] [In der Höhle des Löwen] [Wo ist denn hier der Ausgang?] [Wieder in Freiheit] [Good morning Amerika] [Auf dem Rummel geht's rund] [Im Land der Indianer] [Zurück in der  Zivilisation] [Die Überraschung] [Download] [Impressum]