Zurück zu Birkenstock-Cramberg Die Überraschung

Die Überraschung

Es war schon später Abend, als sie bei ihrer Wohnung eintrafen. Papa trug die schlafende Johanna, Mama die zwar nicht schlafende, aber mindestens ebenso unhandliche Sahnetorte. Dagobert trug seine Sorgen. Er hatte beschlossen, mit der Abreise noch solange zu warten, bis Johanna wieder wach war. Es wäre einfach unfair, ohne Lebewohl zu sagen zu verschwinden. Außerdem sah diese Sahnetorte einfach zu verlockend aus. Ein kleines Stück wollte er davon schon haben. Nein, nicht sofort. Er hatte beschlossen sich zu bessern und nicht mehr einfach die schönen Torten zu verwüsten. Aber ein bißchen ansehen könnte man sie schon, oder? Dagobert ging um die Torte herum. Das Wasser lief ihm im Mund zusammen.

„Ein kleines Bisschen nur. Nur mal eben mit der Zunge darüber fahren“, dachte er.

„Nein, Dagobert“, sagte sein gutes Gewissen, „du willst doch ein lieber Drache sein!"

„Ach“, seufzte Dagobert.

„Uuuahhhh“, gähnte da die Torte.

„Hä?“, fragte Dagobert, aber dann hatte er einen Verdacht und sein trauriges Gesicht erhellte sich.

Am nächsten Morgen war Johanna schon vor ihren Eltern wach. Sie stand auf und ging zu ihnen ins Bett.

„Schön, daß es dir wieder besser geht“, sagte die Mutter und streichelte Johannas Haare.

„Wir haben dir eine Überraschung mitgebracht. Komm, wir stehen auf und decken den Frühstückstisch.“

Johanna stellte Teller und Tassen auf den Tisch. Sie wollte gerade das Besteck aus der Küche holen, als ihre Mutter mit einem Schreikrampf aus der Küche kam.

„Das gibt es doch nicht! Der schöne Kuchen! Die ganze Überraschung ist dahin“, schimpfte sie.

Johanna rannte in die Küche und tatsächlich: von der Riesentorte war nur noch eine flache Schicht Sahnematsch vorhanden.

„Dagobert!“ stöhnte Johanna, als sie einen kleinen blauen Berg in der Sahne auftauchen sah, „kannst Du denn nicht einmal meine Torten in Ruhe lassen?“ Aber dann entdeckte sie noch einen zweiten Hügel, ganz in der Nähe. Doch bevor sie darüber nachdenken konnte, was das zu bedeuten hatte, regnete es Sahnetropfen auf sie. Dagoberts Gesicht erschien und strahlend stieß er hervor:

„Einen wunderschönen guten Morgen, liebste Johanna. Darf ich Dir meine neue Freundin vorstellen? Dolinde von DohlenbergKuckucksheim“, er deutete auf den kleinen Sahneberg neben ihm. Ein rosa Gesicht zeigte sich. Liebevoll leckte Dagobert mit seiner blauen Zunge Sahnereste aus Dolindes Gesicht.

„Angenehm“, sagte Dolinde und es war unklar, ob sie Dagoberts Streicheleinheiten oder Johanna damit meinte.

Johanna mußte lachen. Jetzt war die Prophezeiung doch in Erfüllung gegangen.

„Juchu“, jubelte Johanna.

„Wieso freust du dich denn über so eine Schweinerei?“, fragte ihre Mutter ungläubig, als sie in die Küche kam.

„Ach“, schwindelte Johanna, „ich hatte heute sowieso keinen Hunger auf Torte. Ich würde viel lieber eine Pizza essen. Holst du uns eine? Ich räume in der Zwischenzeit die Küche auf.“

„Pizza zum Frühstück?“ fragte Johannas Mutter, aber sie war froh, daß es Johanna wieder gut ging und so zog sie sich einen Mantel an und verschwand in Richtung Pizzeria.

Dagobert und Dolinde blieben noch ein paar Tage bei Johanna, aber dann kam doch die Stunde des Abschieds. Johann brachte Dagobert und Dolinde zum Bus.

„Nun weine doch nicht“, meinte Dagobert zu Johanna. „Wir werden in die Stadt ziehen, in der deine Eltern die Torte gekauft haben. Dolinde möchte weiter bei dem Bäcker arbeiten und wer weiß, vielleicht lerne ich auch noch Kuchenbacken. Auf jeden Fall kannst du uns ja besuchen, wenn du magst.“

„Und wenn wir Kinder kriegen, dann wirst du Patendrache, äh, Patentante natürlich.“, fügte Dolinde hinzu.

„Auf Wiedersehen“, sagte Johanna, als die beiden den Bus bestiegen.

Als der Bus dann abfuhr, blieb Johanna noch eine Zeit stehen und sah den beiden hinterher. Sie ließ die Abenteuer, die hinter ihr lagen, in Gedanken noch einmal Revue passieren und dachte bei sich: „das war doch wirklich eine unglaubliche Geschichte.“

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